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In dieser Rubrik werden seit fast zwei Jahrzehnten aus der fast unglaublichen Fülle der Berliner Kulturangebote jeweils nur einzelne Veranstaltungen, Themen und Eindrücke herausgegriffen – verstanden als Momentaufnahmen, vor- oder rückblickend, nicht als Programmübersicht, sondern als kuratierte Auswahl.


Momentaufnahme: © EH

Musik zwischen Antike und Gegenwart

Die Treppenhalle des Neuen Museums gehört zu jenen Orten in Berlin, an denen Geschichte, Architektur und Kunst in besonderer Weise aufeinandertreffen. Derzeit bildet sie den Rahmen für die Installation „Der geschenkte Tag“ des deutsch-britischen Künstlers Michael Müller, die den antiken Mythos der Dioskuren – Kastor und Polydeukes – in einem monumentalen Bildraum interpretiert.

Erinnert sei in dem Zusammenhang an ein Konzert am 14. März 2026 in der Treppenhalle, deren Weite sich beinahe grenzenlos anfühlt. Allein schon der Beifall des Publikums beim Eintreten der Musiker:innen des Ensembles Memoria Tenere klang anders als in einem klassischen Konzertsaal – gedämpfter, beinahe vorsichtig - fast mystisch. Beeindruckend auch die Tatsache, dass Ensemble-Mitglieder wiederholt aus unterschiedlichen Richtungen der Halle klanglich hervor traten. Besonders in Erinnerung geblieben ist die Stimme von Wiebke Wighardt, die sich gefühlt in die Höhe erhob, sich dort im Raum ausbreitete und anschließend langsam wieder verschwand.

Die Sonderpräsentation bietet einen Dialog über Zeit, Sterblichkeit und die Verbindung von Vergangenheit und Gegenwart.

Die Installation „Der geschenkte Tag“ von Michael Müller greift den Mythos der Dioskuren auf – jener ungleichen Zwillingsbrüder, die zwischen Sterblichkeit und Unsterblichkeit stehen. Der Künstler hat diesen Mythos als einen 24-Stunden-Zyklus interpretiert und jeden Abschnitt seines monumentalen Bildwerks zur entsprechenden Tages- oder Nachtzeit gemalt.

Die Musik kommt von Radoslaw Pallarz, der sich mit überlieferten Texten und Inschriften der Antike beschäftigt und versucht, deren historische Klangwelt mit heutigen Mitteln neu erfahrbar zu machen. Seine Kompositionen erinnern dabei bewusst an die Atmosphäre antiker Orte und eröffnen zugleich einen neuen Blick auf unsere Gegenwart.

Keinesfalls darf unerwähnt bleiben, dass ein sich im Programmheft befindlicher QR-Code direkt zum digitalen Programm im Netz führt. Seine Öffnung ermöglicht es, den multimedialen Erlebnisabend noch einmal in aller Ruhe Revue passieren zu lassen – ergänzt durch Hörbeispiele, weiterführende Texte sowie Informationen zu den beteiligten Künstler:innen und Rezitator:innen. Gerade dadurch entsteht etwas Besonderes: Was im Konzert nur als flüchtiger Klang erfahrbar war, lässt sich im Nachhinein vertiefen – und gewinnt eine neue, eigene Dimension. Vielleicht war es genau diese Verbindung von Raum, Mythos und Musik, die diesem Abend seinen Titel gab – ein geschenkter Tag. Mehr dazu auf der Website des Neuen Museums

Es gibt Veranstaltungen, die große Hallen füllen, staunende Augen erzeugen und dennoch im öffentlichen Gespräch kaum Spuren hinterlassen. Das Feuerwerk der Turnkunst gehört ganz offensichtlich dazu. Zwischen Sport, Artistik und Performance angesiedelt, wird es selten ausführlich besprochen. selten medial aufgegriffen, weil es sich nicht leicht einordnen oder bewerten lässt. Was immer bleibt, ist das unmittelbare Erleben vor Ort: das gemeinsame Sehen und Hören, die Aufmerksamkeit im Raum, das Getragensein vom Moment. Am 25. Januar 2026 wurde die große Resonanz in der Berliner Uber Arena einerseits und die geringe öffentliche Wahrnehmung außerhalb der Halle andererseits noch mal deutlich.

Bildlink: VIVA-Programmheft vom 25.1.2026 I Uber Arena Berlin I PDF I Foto: privat

Die einzelnen Präsentationen der Turner:innen und Artist:innen, die – wie all die Jahre zuvor beim Feuerwerk der Turnkunst – ganz selbstverständlich im Zentrum der Aufmerksamkeit standen, entfalteten in der großen Arena eine enorme Wirkung auf das Publikum. Gleichermaßen aber entstand eine weitere, tragende Verbindung der Vorstellungen, dort, wo nicht allein Hochleistung, sondern auch Beziehung wirksam wurde. Diese verbindende Rolle bildete den roten Faden der Inszenierung und wurde von Rosemie übernommen, die als Künstlerin in keine Schublade passt. Mit leiser, körperlicher Komik, feiner Mimik, mit Blicken, Momenten des Innehaltens und kleinen Gesten öffnete sie immer wieder Räume zwischen den einzelnen Nummern. Sie bezog das Publikum ein – nicht spektakulär, sondern liebevoll, zugewandt und berührend.

Besonders gegen Ende des Abends zeigte sich diese gemeinsame Aufmerksamkeit in einem wachsenden Meer aus Handylichtern im Publikum – als sichtbares Zeichen dafür, dass hier gemeinsam Momente live geteilt wurden. Solche, in denen sich Emotionen zeigen durften, wie sie in reinen Kunst-Turnveranstaltungen derart eher selten möglich sind.

In dieser Verbindung aus körperlicher Höchstleistung, humorvoller Vermittlung und live gespielter Musik zeigten sich Parallelen zum Prinzip des Cirque du Soleil. So vielleicht empfunden auch von manchen im Publikum: als Begegnung mit der „kleinenSchwester“ dieser großen Zirkuswelt. Neugierig geworden? Website: Feuerwerk der Turnkunst II TV-Aufzeichnung VIVA – NDR Sportclub, ARD Mediathek (bis 2028)

2026: Zwanzig Jahre Kulturprojekte Berlin

Mit einem außergewöhnlich breiten Profil arbeitet Kulturprojekte Berlin seit ihrer Gründung als landeseigene Gesellschaft inhaltlich unabhängig daran, die Berliner Kultur zu stärken und zu vernetzen. In enger Zusammenarbeit mit nahezu allen Berliner Museen, Bühnen und Gedenkstätten sowie mit Bildung, Wissenschaft, Politik und zivilgesellschaftlichen Akteur*innen entstehen seit 2006 vielfältige Projekte und Plattformen – teils einmalig, teils über viele Jahre hinweg. Dazu zählen unter anderem der EMOP – European Month of Photography, die Berlin Art Week, Diversity Arts Culture, Tanz im August, die Transmediale, die Berlin Music Week, Creative City Berlin, DRAUSSENSTADT, der Museumssonntag, BERLIN GLOBAL im Humboldt Forum, das Kultursommerfestival, internationale Städtepartnerschaften sowie zahlreiche stadtgeschichtliche Erinnerungsprojekte.

Über 500 Projekte und rund 20.000 Veranstaltungen haben das Wirken von Kulturprojekte Berlin in 20 Jahren bestimmt – eine ganze Stadt als Bühne und Inspirationsraum, mit mehr als 70 Millionen Besucher:innen und Nutzer:innen. Diese zwei Jahrzehnte waren geprägt von Bewegung und Wandel: von Experimentierfreude und Improvisation, von Hürdenläufen und Ideenflügen, von Konzentration, Ausdauer und immer neuen Anfängen – ganz wie Berlin selbst. Möglich wurde all dies durch das Engagement von über 1.000 Mitarbeitenden, die Zusammenarbeit mit mehr als 2.000 Partner:innen, die Mitwirkung von über 3.000 Künstler:innen und das langjährige Vertrauen des Landes Berlin.

Im Jubiläumsjahr 2026 setzt Kulturprojekte Berlin besondere Akzente: mit der 15. Ausgabe der Berlin Art Week im September, der Lange Nacht der Museen Ende August sowie einem stillen Erinnern an die Zeit der Teilung durch den Mauerbau 1961 – deren Schwere lange nachwirkte, bis sich 1989 etwas löste und neue Räume entstanden.

Aktuell beginnt die Konzeption einer Freiheitsausstellung, auf die sich Berliner:innen und Gäste im Anschluss an BERLIN GLOBAL im Humboldt Forum freuen dürfen. Vorgesehen ist 2026 auch wieder die Silvesterfeier am Brandenburger Tor. Kontinuität zeigen zudem der Spielbetrieb und die Festivals der Schaubude Berlin sowie dauerhafte Projekte und Portale, die Kulturvermittlung und Vernetzung in der Stadt tragen.

Zur Website Kulturprojekte Berlin I Kultur für und mit Berlin

Acht Standorte, eine Geschichte

Stadtmuseum Berlin präsentiert 2026 ein vielseitiges Programm

Ausgehend von der Vielfalt der Stadt rücken die Häuser im Nikolaiviertel in den Fokus: das Museum Ephraim-Palais, die Museum Nikolaikirche und das Museum Knoblauchhaus. Vielstimmig und nah an den Menschen eröffnen sie Perspektiven auf Migration, Stadtgeschichte, Klangräume, Alltagskultur und Erinnerung.

Ergänzt wird das Programm durch neue Akzente bei BERLIN GLOBAL im Humboldt Forum, durch lebendige Vermittlungsformate im Museumsdorf Düppel sowie durch offene, partizipative Angebote rund um das entstehende Museums- und Kreativquartier am Köllnischen Park.

Es ist ein kurzer Überblick, der sich als Einladung zum Weitersehen und Weiterlesen versteht: Ausführliche Pressemeldung vom 22. Januar 2026 II Website des Stadtmuseums Berlin



Foto: Sinje Hasheider

On air on fire – Anregung aus dem Theater

Auf den ersten Blick ist es „nur“ ein Theaterstück. Auf den zweiten öffnet es etwas Größeres: einen Erfahrungsraum, in dem Bilder, Töne, Texte und Erinnerungen miteinander in Bewegung geraten. Genau solche Impulse können neugierig machen – auf Geschichte, auf eigene Erfahrungen und darauf, selbst kreativ zu werden.

Das Jugendtheaterstück On air on fire führt in den Sommer und Herbst 1989 nach Ost-Berlin. Erzählt wird von jungen Radiomacher:innen beim DDR-Jugendsender DT64, die weiterhin Programme senden sollen, während sich das Land rasant verändert. Anpassung, Widerstand, Schweigen, Verhaftungen, Resolutionen – und schließlich der Mauerfall – markieren eine Zeit des Umbruchs, in der für kurze Zeit neue Freiräume denkbar schienen. Autorin Marion Brasch, selbst ehemalige Moderatorin bei DT64, erzählt mit fiktiven Figuren von realen Ereignissen. Nicht erklärend im Rückblick, sondern aus der inneren Spannung jener Monate heraus. Regisseur Alexander Riemenschneider und sein Ensemble lassen das Radiostudio auf der Bühne wieder entstehen – mit dokumentarischem Videomaterial, Musik und performativen Elementen. Weiterlesen ...




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Kein einzelner Abend, sondern ein Dazwischen. Im Chamäleon Berlin entfaltet sich zeitgenössischer Zirkus über mehrere Begegnungen hinweg – mit Raum zum Wiederkommen, Weiterdenken, Nachspüren. Manches zeigt sich sofort, anderes erst später. Beides darf bleiben. Vom 22. 1. bis 22.2. I PLAY


Ganz Berlin ist eine Bühne

Übersicht bei visit Berlin: Veranstaltungsorte in Berlin


Die Staatsbibliothek Berlin ist die zentrale Bibliothek für geistes- und sozialwissenschaftliche Forschung, in der einzigartige Sammlungen, Themenportale und ein abwechslungsreiches Kulturprogramm zu entdecken sind. Herzlich willkommen – virtuell oder vor Ort ...