On air on fire – Anregung aus dem Theater


Foto: Sinje Hasheider

Auf den ersten Blick ist es „nur“ ein Theaterstück. Auf den zweiten öffnet es etwas Größeres: einen Erfahrungsraum, in dem Bilder, Töne, Texte und Erinnerungen miteinander in Bewegung geraten. Genau solche Impulse können neugierig machen – auf Geschichte, auf eigene Erfahrungen und darauf, selbst kreativ zu werden.

Das Jugendtheaterstück On air on fire führt in den Sommer und Herbst 1989 nach Ost-Berlin. Erzählt wird von jungen Radiomacher:innen beim DDR-Jugendsender DT64, die weiterhin Programme senden sollen, während sich das Land rasant verändert. Anpassung, Widerstand, Schweigen, Verhaftungen, Resolutionen – und schließlich der Mauerfall – markieren eine Zeit des Umbruchs, in der für kurze Zeit neue Freiräume denkbar schienen. Autorin Marion Brasch, selbst ehemalige Moderatorin bei DT64, erzählt mit fiktiven Figuren von realen Ereignissen. Nicht erklärend im Rückblick, sondern aus der inneren Spannung jener Monate heraus. Regisseur Alexander Riemenschneider und sein Ensemble lassen das Radiostudio auf der Bühne wieder entstehen – mit dokumentarischem Videomaterial, Musik und performativen Elementen, die das Publikum einbeziehen.

Besonders eindrücklich ist, wie bestimmte Szenen innere Prozesse sichtbar machen: das Abwägen, was gesagt werden kann und was nicht; die Angst, sichtbar zu werden; die allgegenwärtige „Schere im Kopf“. Solche Momente wirken nicht belehrend, sondern auslösend – sie regen an, eigene Haltungen, Erinnerungen oder familiäre Geschichten neu zu betrachten. Auch mediale Details tragen dazu bei. Ein kurzer Clip mit David Bowie auf dem Weg ins Studio von DT64 verbindet internationale Popkultur mit dem damaligen Arbeitsalltag im Rundfunk. Im Hintergrund ist – für eine Zeitzeugin deutlich erkennbar – eine längst verschwundene Baracke zu sehen, in der über Jahre die Räume ihrer Musikredaktion von Radio DDR untergebracht waren und in der sie selbst als Redakteurin agierte. Bilder wie diese erklären nichts – sie rufen etwas auf.

Warum dieser Hinweis hier auf dieser Website? Weil On air on fire zeigt, wie stark kreative Formen Erinnerungen, Fragen und eigene Gestaltungsimpulse in Bewegung setzen können. Theater wird hier nicht zum fertigen Ergebnis, sondern zum Ausgangspunkt: zum Weiterdenken, Weiterhören, Weitererzählen – oder zum eigenen kreativen Tun. In welcher Form auch immer machbar.

Weitere Informationen zum Stück und den Aufführungen finden Sie auf der offiziellen Seite des Theater an der Parkaue, das 2025 sein 50-jähriges Bestehen feiern konnte. Weblink zu "On air on fire" im Spielplan des Theaters

Stimmen zum Stück, Rezensionen und weiterführende Eindrücke I Weblink zu nachtkritik.de zum Beitrag von Elena Philipp: Freie Fahrt für rückgratfreie Bürger

Oliver Kranz I radio drei: "On Air On Fire" - Eine dokufiktionale Zeitreise

90er Jahre und DT64 I Einblick auf der Website "Zeitreise-Nalepafunk

Auszüge aus dem Programmheft, welches in Papierform vor Ort verteilt wurde sowie HörTipp: 1. Aue-Cast-Folge mit Marion Brasch ...