Barbara Loftus – Erinnerung sichtbar machen
Die britische Malerin und Filmemacherin Barbara Loftus beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Geschichte ihrer Familie – insbesondere mit dem Leben ihrer Mutter Hildegard Basch.
Ausgangspunkt ihrer künstlerischen Arbeit sind Erinnerungen, die lange Zeit nicht ausgesprochen wurden. Erst im hohen Alter begann die Mutter, von ihrer Kindheit im Berlin der 1920er und 1930er Jahre zu erzählen – von einem Leben, das durch die nationalsozialistische Verfolgung jäh zerstört wurde. Ihre Eltern und ihr Bruder wurden 1942 nach Auschwitz deportiert und ermordet, während sie selbst ins Exil nach Großbritannien fliehen konnte.
Für die Tochter blieb diese Geschichte über Jahrzehnte hinweg fragmentarisch. Auschwitz war zunächst nicht mehr als ein Wort – ohne greifbare Wirklichkeit. Erst die späten Erzählungen der Mutter eröffneten einen Zugang zu dieser verborgenen Vergangenheit.
Kunst als Annäherung an das Unsagbare
Barbara Loftus übersetzt diese biografischen Bruchstellen in Bilder, Filme und künstlerische Sequenzen. Ihre Arbeiten sind keine dokumentarischen Rekonstruktionen im klassischen Sinne, sondern visuelle Annäherungen – Versuche, eine verlorene Welt wieder erfahrbar zu machen. Sie selbst beschreibt ihr Anliegen so:
„Ich gebe den Ereignissen, die meiner Geburt vorausgingen, mithilfe des Mediums, in dem ich arbeite, eine Form. Das ist meine Art, mein Erbe greifbar zu machen. Meine visuellen ‚Wiederaufführungen‘ drehen sich um Episoden aus dem früheren Leben meiner Mutter und um ihre Identität als deutsche Jüdin, die am Anfang des sogenannten ‚Dritten Reiches‘ erwachsen wurde.“
So entstehen Werke, die Vergangenheit nicht nur zeigen, sondern neu befragen. Sie bewegen sich zwischen Erinnerung, Vorstellung und künstlerischer Interpretation.
Ein Werk über Zeit hinweg
Ein Teil dieser Arbeiten war bereits Jahre zuvor im Atelier der Künstlerin in England in einer frühen Entstehungsphase zu sehen. In der nun 2026 vom Stadtmuseum Berlin initiierten Ausstellung im Haus am Lützowplatz treten diese Werke in einen neuen Zusammenhang.
Diese zeitliche Dimension ist wesentlich:
Denn die Bilder entstehen nicht auf einmal, sondern wachsen über Jahre hinweg – als Prozesse der Annäherung an eine Geschichte, die lange keinen Ausdruck finden konnte.
Bisherige Beiträge und Zusammenhänge
Die Auseinandersetzung mit dem Werk von Barbara Loftus ist somit über längere Zeit gewachsen und wird auf der Website zur musisch-kreativen Biografiearbeit in ihren Zusammenhängen ausführlicher sichtbar. Zur vertiefenden Darstellung ...
Die Arbeiten von Barbara Loftus zeigen eindrücklich: Erinnerung ist nicht selbstverständlich zugänglich - Biografie entfaltet sich oft erst spät - kreative Ausdrucksformen können Türen öffnen, wo Worte fehlen. Und gerade in der biografischen Arbeit – ob persönlich oder in der Vermittlung – können solche künstlerischen Zugänge helfen, verborgene Geschichten sichtbar zu machen und weiterzugeben.